Helden ohne Degen – Schinkel & Co.

Nach den siegreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon waren „Helden ohne Degen“ gefragt, die sich nun der weiteren Stärkung des Vaterlandes durch die „Beförderung des Gewerbefleißes“, wie man das damals nannte, zuwandten. An der Spitze standen Männer wie Friedrich Schinkel, der Reformator des preußischen Bauens und sein bester Freund Christian Beuth, „der Vater der preußischen Industrie“, wie ihn Werner Siemens einmal genannt hat.

Zu ihnen gesellten sich Künstler, Politiker und Industrielle, deren Spuren sich noch heute im Zentrum des Alten Berlin finden lassen. Das beginnt an der Großen Granitschale im Lustgarten, seinerzeit die größte der Welt. Die wurde in einer beispiellosen Ingenieurleistung aus einem riesigen Eiszeitfindling gebrochen, transportiert und mit Hilfe einer Dampfmaschine poliert. Bildhauer, die Figurengruppen der Schlossbrücke schufen, arbeiteten auch für den preußischen
„Lokomotivkönig“ August Borsig und seinen Sohn bei der Ausschmückung der Borsigschen Fabrik im Feuerland. Der Schinkelplatz vor der Bauakademie wird gerade nach dem historischen Vorbild rekonstruiert, Schinkel wird flankiert von Beuth und vom Begründer der Landwirtschaftswissenschaft Thaer.

Auch die Bauakademie soll wieder aufgebaut werden, ein Originalportal ist in der Nähe zu finden. Die Friedrichswerdersche Kirche ist heute Schinkelmuseum. Das berühmte Reiterstandbild Friedrich II. wurde von Schinkels Freund Christian Rauch ausgeführt. Das VDI-Haus stammt von den gleichen Architekten, die für die Enkel von Borsig die Borsigwerke in Tegel nach modernsten amerikanischen Vorbildern hochzogen. Im Neuen Museum, das gerade nach Entwürfen von Chipperfield saniert wird, haben sich vergoldete eiserne Bogensehnenträger der Dachbinder erhalten, die Borsig seinerzeit an Stüler lieferte.
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